Hallo Zusammen,
die folgende Frage ist mir per PN (Persönliche Nachricht) gestellt worden. Da sie vielleicht mehr als nur eine Person interessiert stelle ich sie und meine Antwort ohne persönliche Angabe hier ein.
Außerdem ist meine Hoffnung das andere den Beitrag ergänzen.
"Mein Fragen dazu an dich:
Wie fährt man mit der Varianta auf dem Ijsselmeer gegen die Wellen. 90° oder Schräg und zwar unter Motor und unter Segel. Genauso wichtig wie fährt man mit Wind von achtern zurück (schräg oder mit der Welle von achtern)"
Meine Antwort:
Hallo ...,
ehrlich gesagt kann ich nicht so richtig viel dazu sagen. Ich fahre eher nach Gefühl. Mein Ziel ist mit dem Vorschiff nicht auf dem Wellenkopf "abzuheben" und dann aufzuschlagen. Entsprechend versuche ich im 'Tal nicht so stark einzustechen. Außerdem soll natürlich die Welle nicht von achtern aufs Heck schlagen oder das Boot so stark anheben das es aus dem Ruder läuft. Und das Boot soll natürlich auch nicht zu stark seitlich neigen.
Grundsätzlich versuche ich als erstes den gewünschten Kurs zu fahren. Das klappt erfahrungsgemäß um die 45° zur Welle; je nach Höhe und Art der Wellen (steil oder flacher) in einem mehr oder minder großen Bereich.
Klappt das nicht, fahre ich die Welle aus. Am Wind luve ich am Fuß gegen die Welle an und falle ganz kurz vor dem Kamm wieder ab.
Auf raumen Kursen geht es meist darum das Ruder möglichst lange im Wasser wirksam zu halten. Je nach dem wie die Welle das Boot aus dem Kurs drängt muß man manchmal etwas voraus steuern. Meist drückt die Welle das Boot ab Passieren des Wellenkopfes ja quer; also drehe ich kurz vor diesem Punkt stärker in die Gegenrichtung. Das Ergebnis ist ein gewellter Kurs, der im Mittel dem gewünschten Kurs entspricht. auf sehr raumen Kursen kann man noch versuchen auf der Welle zu surfen; also möglichst lange auf dem Wellenrücken zu bleiben.
Unter Motor mag es ähnlich sein. Nur der Motor, der bei Dir ja wie bei mir am Heck montiert ist, wird natürlich zusätzlich aus dem Wasser gehoben. Da wird man ähnlich wie beim Ruder durch kurzzeitiges Abfallen entgegenwirken müssen. Ich fahre gerade bei mehr Welle möglichst viel unter Segel und erst im -geschützen Bereich oder wenn es gar nicht mehr anders geht mit Motor.
Also eher eine Gefühlssache mit den aufgezeigten Werkzeugen.
Gruß Walter
Fahren gegen und mit der Welle
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kosarsegler
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Grisu
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Re: Fahren gegen und mit der Welle
Moin Walter und alle anderen!
Meine Überlegungen dazu sind folgende:
- Der AB neigt zum austauchen; das Boot fährt am Besten unter Segeln, gerade bei Welle herrscht ja keine Flaute. Motoreinsatz gegenan nur wenn unvermeidlich.
- Manche AB schalten sich ab bei zu großer Lage, vor Mercury 4 Takt (Bj. vor 2008) muss ich hier warnen.
- Mein Hauptziel ist, nicht frontal gegen eine Welle aufzuprallen, ich versuche manchmal, bei Sicht einer größeren Welle vorzeitig etwas quer dazu zu steuern. Das gilt unter Segel und unter Motor. Meist läuft aber der PiPi, notfalls ziehe ich den schnell von der Pinne ab, und korrigiere selber.
- Größere Wellen kommen tatsächlich oft im 3er Pack, nicht nur Monster
wellen.
- Gut getrimmt (v.A. Segelflächen) läuft die Vari (hart) am Wind stundenlang auf Kurs, fast ohne Steuereingriff, auch und gerade ohne PiPi.
- Ein Kurs zu hart am Wind führt bei Welle zu vermehrtem Stampfen, der Speed bricht ein, die Höhe ebenso. Besser etwas weniger Höhe kneifen.
- Hart am Wind, läuft mein Boot besser, wenn ich die Großschot nach Luv ziehe (Traveller Efffekt).
- Bei Leichtwind läuft das Boot besser, wenn man in Lee sitzt (ja!), es mag eine gewisse Krängung.
- Auf hartem Vorwindkurs sollte man rechtzeitig das Groß bergen. Nur unter Vorsegel ist das Boot viel besser zu steuern.
- Vor der Welle rauscht das Boot mit Überrumpfgeschwindigkeit ins Tal, um dort auf fast die Hlfte gebremst zu werden. Insgesamt kaum Gewinn. Am Ijsselmeer habe ich tatsächlich einmal längere Surfphasen erlebt, aber eben übertakelt. Das war zwischen Enkhuizen und Urk. Angesagt waren 3 Bft, tatsächlihc waren das eher 5. Damals hatt ich keinen PiPi und konnte nicht reffen.
- Auf Vorwindkurs unbedingt an den Bullerständer denken!
- Das erst Mittel der Wahl gegen Seekrankheit ist, den Horizont fixieren und entgegen dem Boot mitschaukeln, so dass der Kopf waagerecht bleibt.
- Die Vari ist rank, aber gerade deswegen kippt sie nicht um. Wer bis zu 40° Krängung nicht verträgt sollte sich nach etwas anderem umschauen.
- Holland ist wunderschön, aber ich bin, nach 4 Jahren dort, an die Ostsee gewechselt, weil der Wind in Holland extrem ist.
- Besonders viel Spaß kannst du auf dem Ketelmeer haben, da läuft oft die Westströmung gegen den Westwind. Aus Osten kommend, hatte ich bei Vollgas SOG von 1kn.
Viel Spaß beim Segeln und Handbreit!
Gert
Meine Überlegungen dazu sind folgende:
- Der AB neigt zum austauchen; das Boot fährt am Besten unter Segeln, gerade bei Welle herrscht ja keine Flaute. Motoreinsatz gegenan nur wenn unvermeidlich.
- Manche AB schalten sich ab bei zu großer Lage, vor Mercury 4 Takt (Bj. vor 2008) muss ich hier warnen.
- Mein Hauptziel ist, nicht frontal gegen eine Welle aufzuprallen, ich versuche manchmal, bei Sicht einer größeren Welle vorzeitig etwas quer dazu zu steuern. Das gilt unter Segel und unter Motor. Meist läuft aber der PiPi, notfalls ziehe ich den schnell von der Pinne ab, und korrigiere selber.
- Größere Wellen kommen tatsächlich oft im 3er Pack, nicht nur Monster
- Gut getrimmt (v.A. Segelflächen) läuft die Vari (hart) am Wind stundenlang auf Kurs, fast ohne Steuereingriff, auch und gerade ohne PiPi.
- Ein Kurs zu hart am Wind führt bei Welle zu vermehrtem Stampfen, der Speed bricht ein, die Höhe ebenso. Besser etwas weniger Höhe kneifen.
- Hart am Wind, läuft mein Boot besser, wenn ich die Großschot nach Luv ziehe (Traveller Efffekt).
- Bei Leichtwind läuft das Boot besser, wenn man in Lee sitzt (ja!), es mag eine gewisse Krängung.
- Auf hartem Vorwindkurs sollte man rechtzeitig das Groß bergen. Nur unter Vorsegel ist das Boot viel besser zu steuern.
- Vor der Welle rauscht das Boot mit Überrumpfgeschwindigkeit ins Tal, um dort auf fast die Hlfte gebremst zu werden. Insgesamt kaum Gewinn. Am Ijsselmeer habe ich tatsächlich einmal längere Surfphasen erlebt, aber eben übertakelt. Das war zwischen Enkhuizen und Urk. Angesagt waren 3 Bft, tatsächlihc waren das eher 5. Damals hatt ich keinen PiPi und konnte nicht reffen.
- Auf Vorwindkurs unbedingt an den Bullerständer denken!
- Das erst Mittel der Wahl gegen Seekrankheit ist, den Horizont fixieren und entgegen dem Boot mitschaukeln, so dass der Kopf waagerecht bleibt.
- Die Vari ist rank, aber gerade deswegen kippt sie nicht um. Wer bis zu 40° Krängung nicht verträgt sollte sich nach etwas anderem umschauen.
- Holland ist wunderschön, aber ich bin, nach 4 Jahren dort, an die Ostsee gewechselt, weil der Wind in Holland extrem ist.
- Besonders viel Spaß kannst du auf dem Ketelmeer haben, da läuft oft die Westströmung gegen den Westwind. Aus Osten kommend, hatte ich bei Vollgas SOG von 1kn.
Viel Spaß beim Segeln und Handbreit!
Gert