Heck mit GFK verstärken

Backpacker
Beiträge: 4
Registriert: Mo 2. Feb 2026, 15:48

Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Backpacker »

Hallo , ich bin neu hier und komme aus Berlin. Seit ca 10 Jahren habe ich eigene Boote, angefangen mit nem 6,50 Stahlkahn, dann ne Wegu Happy Sailings Star und seit 2 Jahren bin ich nun Eigentümer einer Varianta 65. Ich nutze diese jedoch alleinig als Wanderboot (Mast ist abmontiert). Betrieben habe ich die Varianta ehemals mit nem 10PS/2-Takt Johnson und seit letzten Jahr hab ich nun einen neuen Honda 10PS/4-Takter dran. Ich hatte letztes Jahr festgestellt das ich an der Motorhalterung einen kleinen Riss im GFK habe. Der kam wahrscheinlich Zustande beim letztjährigen Winterlager, der hatte die Varianta mit nem Gabelstapler ausm Wasser gehoben ohne vorher den Motor abzumontieren :roll:
Daher wollte ich die jetzige Offseason dazu nutzen den Riss zu beheben und gleichzeitig dann auch gleich das Heck um etwa 4mm zu verstärken. Ich würde gerne schon das gesamte Heck auflaminieren, inkl so etwa 40-50cm der Back- und Steuerbord-Seiten, um die Kräfte so gut wie möglich zu verteilen. Der Honda-Motor (Langschaft) wiegt ja schon etwa 46kg und die Motor-Halterung (Schlitten mit Taljensystem, V4A) wiegt nochmal 12kg.... Wobei ich auch über ne andere (leichtere) Motorhalterung nachdenke, da schweiß ich mir ggf. was Eigenes zusammen. Nun bin ich diesbezüglich aber Anfänger, wenn es um GFK-Verarbeitung geht. Daher wollte ich hier mal die Meinung der Profis einholen, wie ich das am sinnvollsten machen kann ?
1) Welches Material würde sich da anbieten : Glasfasermatte , Rovinggewebe oder Biaxialgewebe oder ggf ne Kombination (und wenn , in welcher Reihenfolge) ? Was würde sich als Primer und zum Schluß als Gel- und Topcoat empfehlen, um den bestmöglichen Materialverbund hinzubekommen ?
2) Ist das ausreichend, wenn ich das nur von außen auf-laminiere ? Ich würde echt ungern die Backskiste aufflexen und ohne komme ich ja nicht von Innen ans Heck ran.
3) Welche Möglichkeiten gibt es , um die neue Motorhalterung richtig gut zu befestigen ? Gibt es evtl den einen oder anderen Trick ?
4) Gibt es darüber hinaus evtl. noch Probleme die ich als Anfänger dabei nicht bedacht habe ?

mfg.
Backpacker
reinerwein
Beiträge: 75
Registriert: So 16. Feb 2020, 22:55
Bootstypen: Varianta 65 (Nr. 3615, Bj. 1979)
Heimatrevier: Berlin Dahme/Spree

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von reinerwein »

Hallo,

kannst Du mal Fotos einstellen, damit man das besser beurteilen kann?

Wo hast Du den Riss gesehen: Innenseite des Hecks durch die Wartungsöffnungen der Backskiste oder Außenseite?

Geht es um die Aussteifung des gesamten Hecks (halte ich für überflüssig, weil stabil genug) oder nur dort, wo die Motorhalterung angebracht ist?
Backpacker
Beiträge: 4
Registriert: Mo 2. Feb 2026, 15:48

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Backpacker »

Wo hast Du den Riss gesehen: Innenseite des Hecks durch die Wartungsöffnungen der Backskiste oder Außenseite?
Der Riss ist Außen zu sehen, zwischen den 4 Bohrungen an der die Motorhalterung hängt, der ist etwa 6cm lang und geht durchs gesamte GFK. Der war auch das ganze letzte Jahr beständig, also der ist nicht weiter gewachsen. Ich hatte mir den gleich markiert als ich den das erste Mal gesehen habe.
Geht es um die Aussteifung des gesamten Hecks (halte ich für überflüssig, weil stabil genug) oder nur dort, wo die Motorhalterung angebracht ist?
Der Motor sorgt schon für Bewegung am Heck-GFK - nicht umsonst kam ja der Riss. Aufgefallen ist mir der leider erst nach dem letztjährigen einslippen. Das hat der Typ vom Winterlager alleine mit nem Gabelstapler gemacht und ich nehm an das der Motor dabei dran war - das war zwar zu dem Zeitpunkt nur der 10PS/2-Takter von Johnson (ca 30 kg), scheint aber schon ausgereicht zu haben, um den Riss zu produzieren. Leider hab ich den Riss erst 2 Moante nach dem reinslippen gesehen. Im Juni 25 hatte ich ein unschlagbares Angebot für einen nagelneuen Honda 10PS/4-Takter bekommen und den dann ausgetauscht - aber ich hab mich bisher noch nicht einmal getraut Vollgas zu geben - aus Angst das der Motor dann versehentlich in den U-Boot-Betrieb wechselt ;)
Ich wollte den gesamten Heck-Bereich, unterhalb der mit dem Kedergummi bezogenen Kante, bis hin zur Wasserkante, verstärken. Und am liebsten auch gleich so 50cm übergehend auf die Back- und Steuerbord-Seite - wobei ich das dann pro GFK-Lage an den Seiten etwas verkürzen würde, damit ich da auch optisch nen halbwegs ansehbaren Übergang hinbekomme.

Fotos kann ich derzeit noch nicht hochladen, die Varianta steht im Winterlager bei nem Freund auf dem Grundstück (außerhalb von Berlin) und da komm ich vor Mitte Feburar leider nicht vorbei :(

EDIT :
Ich hab mal 2 Ansichten gemacht, wie ich mir das vorstelle. Das ist nicht meine Varianta, sollte aber zur Veranschaulichung trotzdem ausreichen :
Dateianhänge
11.jpg
11.jpg (47.84 KiB) 126 mal betrachtet
10.jpg
10.jpg (42.4 KiB) 126 mal betrachtet
reinerwein
Beiträge: 75
Registriert: So 16. Feb 2020, 22:55
Bootstypen: Varianta 65 (Nr. 3615, Bj. 1979)
Heimatrevier: Berlin Dahme/Spree

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von reinerwein »

Moin,

OK, verstanden.

Wenn Du von außen mit weiteren GFK-Lagen verstärken willst, musst Du m.E. das ganze Topcoat bzw. Gelcoat runterschleifen bis auf den GFK-Rumpf. Dann verstärken, wieder Gelcoat drauf und irgendwie einen Übergang zur bestehenden Außenhaut schaffen. Da wird es farblich und auch in der Dicke einen sichtbaren Übergang geben. Und bei der Fläche viel Arbeit!

Ich an Deiner Stelle würde jedoch "nur" den Riss flicken. 20 cm runderherum das Gelcoat runter, GFK gut anschleifen, mehrere Lagen Glasfasermatten drauf, zum Schluss wieder Gelcoat. Hier ist es besser erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=sdCabvSwRyU, aber gibt noch viele weitere Anleitungen zu dem Thema.
Der Grund für diesen Vorschlag ist, dass ich Feinen Fall für einen Einzelfall halte. Hier im Forum lese ich davon zum ersten Mal. Bei Dir war es ein unvorsichtiger Gabelstaplerfahrer, der einmalig zu viel Last aufgebracht hat. 30 kg sind schon viel, aber jetzt nicht am obersten Limit. Die Motoren wiegen fast alle 20 bis 25 kg. Einige Varianta-Segler sind küstenah unterwegs und da geht dann deutlich mehr Welle, die tagelang das Boot hebt und senkt, bestimmt auch mal etwas heftiger. Da treten schon hohe Lasten an der Motorhalterung auf, aber der Heckspiegel kann das gut ab.
Grisu
Beiträge: 1173
Registriert: So 24. Feb 2008, 11:33
Bootstypen: VA65 1783
Heimatrevier: westliche Ostsee
Wohnort: Obertshausen

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Grisu »

Hier wurden auch schon Varis mit verlängertem Heck vorstellt. Aber schon allein die Chem-GV verbietet Laien den Zugriff auf styrolhaltige Chemikalien.
10 PS für den Aussenborder sind auch überdimensioniert. Da reichen 4-5 PS, zumal du ja nicht einmal einen Mast als Windwiderstand hast.
Meine Empfehlung: Lasse dir von einem Profi den Riss reparieren und tausche den Motor gegen einen Leichteren.
Gruß
Gert
Backpacker
Beiträge: 4
Registriert: Mo 2. Feb 2026, 15:48

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Backpacker »

Da wird es farblich und auch in der Dicke einen sichtbaren Übergang geben. Und bei der Fläche viel Arbeit!
Ja, ich rechne auch mit viel Arbeit .Wichtig ist mir das der Motor richtig hält, das Optische ist dabei nachrangig.
Gelcoat runter, GFK gut anschleifen, mehrere Lagen Glasfasermatten drauf, zum Schluss wieder Gelcoat.
So in etwa dachte ich mir das auch. Diesbezüglich habe ich aber ein paar Fragen :

1) Was für Matten und in welcher Dicke pro Lage, wären da zu empfehlen ? Glasfasermatte, Rovinggewebe oder Biaxialgewebe , oder ggf. ne Kombination? Und in welcher Reihenfolge ? Lieber mehr dünne Schichten oder sind dickere Schichten die bessere Alternative ?
2) hat jemand Erfahrungen mit dem https://gfkshop.de/ ? Und kann evtl auch ne Materialempfehlung geben ?
tausche den Motor gegen einen Leichteren.
Ich bin so froh das ich den habe. Ich hatte vorher bereits 5PS-Motoren (2 und 4-Takt) die mein Trommelfell über Gebühr malträtiert haben, so das nicht wirklich Fahrspaß aufkam. Der Honda 10PS läuft dagegen so schön leise, das es der erste Motor ist, mit dem ich sehr gerne auch mal weitere Strecken zurück lege. Ich bin eh nur Binnen unterwegs (im Normalfall mit 5-7km/h), im Bereich Berlin/Brandenburg/Mek-Po/Sachsen-Anhalt und ich fotografiere sehr gerne. Mit dem Honda komm ich auch mal näher an Tiere ran, die bei den 5PS-Motoren schon bei über 50m Abstand reißaus genommen haben. Im Hafengang hört man den Motor so gut wie gar nicht. Ich will also auf gar keinen Fall zurück zum 5PS 1-Zylinder und Elektromotor scheidet wegen Reichweite leider auch aus. ;)
Grisu
Beiträge: 1173
Registriert: So 24. Feb 2008, 11:33
Bootstypen: VA65 1783
Heimatrevier: westliche Ostsee
Wohnort: Obertshausen

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Grisu »

Die Rumpfgeschwindigkeit beträgt 2,43 x SQR(LWL). 10 PS auszufahren macht das Boot nicht schneller.
frag gfkshop, ob du harz bekommst ohne sachkundenachweis. wohl nicht.
such mal nach bildern zu gelcoat entfernen. vollschutz, industrieabsaugung.
elektro wäre optimal für dich. Lithium Batterien sind viel billiger geworden.
Gruß
Gert
Backpacker
Beiträge: 4
Registriert: Mo 2. Feb 2026, 15:48

Re: Heck mit GFK verstärken

Ungelesener Beitrag von Backpacker »

such mal nach bildern zu gelcoat entfernen. vollschutz, industrieabsaugung.
Das Boot steht bei nem Freund aufm recht großen Grundstück , der hat auch ne Garage , wo wir das notfalls erledigen könnten
frag gfkshop, ob du harz bekommst ohne sachkundenachweis. wohl nicht.
Ich hab mal Tante Google gefragt, finde aber adhoc nichts , was den Verkauf von Epoxit- oder Polyesterharz an Privatpersonen grundsätzlich verbietet ? Hast du da evtl mal nen Link, wo ich mich darüber informieren könnte ? Wenn dem so sein sollte , muss ich das Zeug über nen Kumpel bestellen ...
elektro wäre optimal für dich. Lithium Batterien sind viel billiger geworden.
Auch wenns ein anderes Thema ist : ich hatte bereits über Elektro nachgedacht, aber das lohnt sich, meiner Meinung nach, eigentlich derzeit nur für Hausboote, wo man oben problemlos 4-6 Photovoltaikpanele raufsetzen kann und wo einen das Gewicht eines 30kw Stromspeichers (300+ kg) auch nicht groß stört. Fürn "Bade/Angelboot" mit dem man keine großen Distanzen zurück legt, ist das auch noch OK. Aber für mich wäre das "Perlen vor die Säue". Ich hab ne LiFePO4 (12V/100Ah) im Einsatz, laden kann ich die optional mit dem Motor (12V/6A = 72W) und (sogar zeitgleich) mit meinem klappbaren Solarpanel (45W). Die reicht aus das ich abends TV schauen kann, tagsüber auch Musik habe und zum Laden von Powerbanks/Handys/Laptop/Kamera-Akkus/Ankerlicht usw. - aber fürn E-Motor ist das deutlich zu dünn.
Solange ich mich in meinem Revier befinde (zwischen Schleuse Spandau, Schleuse Schönwalde , Schleuse Pinnow/Lehnitz würde Elektro ggf noch Sinn machen. Wenn ich allerdings unterwegs bin, dann meist so 3-4 Wochen (und auch deutlich weiter weg) und da hab ich keine Lust Zwangslade-Stopps einzulegen , zumal ich ungern an Marinas anlege, sondern lieber irgendwo in der Natur ankere. Obendrauf müßte ich da ja auch noch Horror-Strompreise zahlen , die wollen ja schon 1€ und mehr für ne KWh :shock: Wenn ich früh losfahre komm ich in einem Rutsch bis zum Werbellinsee, mitm E-Motor undenkbar, es sei denn ich lad die Varianta mit 3-4 5kw-LiFePO4-Batterien (je Stück etwa 40kg) voll (die ich dann bei jedem slippen wieder rausnehmen müßte damit ich den Trailer nicht überlade) ... und selbst dann bleibt immer noch das Strom-Ladeproblem und der Platz für Photovoltaik-Panele ist auf der Varianta ja leider auch durchaus überschaubar...
Die schönsten Ecken fangen nunmal erst weit hinter Schleuse Lehnitz bzw. Potsdam an - und da hab ich keinen Bock etliche Tage mehr für die Anfahrt zu benötigen, weil ich aufm Weg x-mal nachladen muss. Da ist der Verbenner nunmal effektiver. Ich hab nen 12L-Tank und nochmal 25L in Reservekanistern in der Backskiste - das reicht für min. 150km und wenn ich irgendwo mal in Nähe einer Tanke komme, füll ich wieder auf (und das mit deutlich weniger Zeitaufwand, als wenn ich die Batterien laden müßte).
Hier mal ne praktische Anekdote: Ne Bekannte von mir hat sich vorletztes Jahr ein Boot (kleiner 4m GFK-Verdränger) gekauft, gleich mit E-Motor, LiFePO4-Batterie und nem 300W Panel - die hatte sich letztes Jahr durch den Havelkanal gewagt und es kam wies kommen mußte : so etwa in Höhe von Wustermark war energietechnisch Ende im Gelände (aber noch ca 10km Kanal übrig) und dann konnte sie sich erstmal bis Ketzin schleppen lassen. Die kommt nur durch den Havelkanal in einem Rutsch wenn sie max. 3km/h fährt - dann ziehen sich aber die 35km auch wie Kaugummi (nebenbei hat sie auch 5km Anfahrt bis zum Kanal). Also im optimalen Fall braucht sie etwa 14 Stunden (inkl Schleusen) durch den Kanal, um dann mit leerer Batterie, gradmal (mit viel Sonne, Glück und Rückenwind) den Wasserwanderplatz am Ende des Kanals zu erreichen. Ich weiß nichtmal ob der Wasserwanderplatz dort Strom hat , aber mit ihrem 300W-Panel braucht sie etwa 2 Tage bis die Batterie wieder voll ist ... auf so'ne Nummer hab ich keinen Bock.
Die Rumpfgeschwindigkeit beträgt 2,43 x SQR(LWL). 10 PS auszufahren macht das Boot nicht schneller.
Wenn ich das richtig sehe liegt die Rumpfgeschwindigkeit der Varianta bei etwa 10-10,5 km/h ? Bei längeren Distanzen fahr ich so etwa 6-7 km/h, (bei kürzeren Distanzen eher unter 5 km/h) für meine (leider recht empfindlichen) Ohren ist das grad noch so erträglich und vom Preis/Leistungsverhältnis ist das auch optimal, da verbrauch ich knapp übern Liter/Stunde. Bei über 7km/h nervt mich der Lärm, selbst bei dem Honda 10PS und abends hab ich dann wieder Tinnitus :cry: Bei nem 5PS-Motor sind 5km/h für mich schon fast unerträglich, da will ich nur so weit wie möglich von der Pinne :oops:
Also, wie ich schon anfangs erwähnte : es geht mir NICHT um die Geschwindigkeit, sonst hätte ich auch keinen Schub-Propeller dran ;)

Gruß
Bernd
Antworten