Blister/Booster wie setzen

Segelfreundmax
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Blister/Booster wie setzen

Ungelesener Beitrag von Segelfreundmax »

Hallo Varianta Freunde,

ich habe mit meiner VA 65 vor einige Zeit einen Blister bzw. Booster mitgekauft und möchte diesen nächste Saison gerne mal zum Einsatz bringen…Ich frage mich nur wie.

Kurz zur Erläuterung: Dieses Code Zero ähnliche Segel hat Stagreiter wie eine normale Genua.

Fährt man dieses System wie eine große Genau auf allen Kursen (sprich auch wenden/halsen) oder nur auf Raumen Kursen?

Das Problem ist…wenn man das Teil wie einen Gennaker nur auf Raumkursen fährt bräuchte man doch ein zweites Vorstag zum Rollen oder Hochziehen. Oder kann man das Teil ‚,fliegend‘‘ fahren (trotz der Stagreiter)?
Oder soll ich es wie eine ,,übergroße‘‘ Genua als normales Vorsegel fahren (auf allen Kursen) und am normalen Vorstag setzen. (Ich fahre eine normale Rollanlage)
Ich bitte um Hilfe von jemanden der damit Erfahrung hat!

Danke im Voraus
Grisu
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Re: Blister/Booster wie setzen

Ungelesener Beitrag von Grisu »

Hallo Max,
wenn der Segelmacher Stagreiter angebracht hat, ist das Segel dafür ausgelegt.
Suche mal hier, ob du die Maße deines Segels findest:
https://www.varianta.org/wp-content/upl ... 4.2022.pdf
Ist das Vorliek dennoch zu lang, passt evtl. das Segel nicht zu deinem Fockroller. Dann versuche, den Segelhals an der hinteren Bohrung des Vorstagbeschlages anzuschlagen, anstatt an der Rolltrommel.
Gruß
Gert
Segelfreundmax
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Registriert: Do 2. Feb 2023, 17:40

Re: Blister/Booster wie setzen

Ungelesener Beitrag von Segelfreundmax »

Hallo Gert,

Danke für die hilfreichen Tipps!
In dem Heft konnte ich die Maße nicht finden.
Nicht schlimm, ich probiere es nächste Saison einfach mal aus!

VG
kosarsegler
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Re: Blister/Booster wie setzen

Ungelesener Beitrag von kosarsegler »

Hallo Max,
das Ausprobieren ist am Ende die beste Möglichkeit. Grundsätzlich ist es sicher so, daß ein Segel mit Stagreitern auch für das Setzen am Stag gedacht ist. Wenn es ursprünglich für die Varianta gedacht war soll es auch sicher an das Vorstag. Ausnahmen wären die Bestimmung für ein völlig anderes Boot(s-Konzept) oder wenn die Stagreiter nachgerüstet wurden. Da könnten die Stagreiter nicht zum Segel passen.
Ich habe auch ein solches Segel mit dem Boot bekommen; sogar mit nachgerüsteter Liekleine am Vorliek um es an der damals montierten Roll-/Reffanlage zu fahren. Es ist aus Spi-Tuch und wie eine übergroße, bauchige Genua geschnitten.
Inzwischen setze ich alle Vorsegel klassisch am Vorstag. Nur dieses Segel fahre ich fliegend: Hals am Bugkorb, Kopf am Spi-Fall, Schothorn mit den Spi-Schoten über Rollen am Heckkorb. So kann ich das Segel von vor dem Wind bis fast halben Wind fahren. Wobei es, je höher ich an den Wind gehe, durch bauchigen Schnitt und Dehnung des Tuches zunehmend ineffizienter wird und eher zum "Spielen" bei sehr leichten Wind taugt. Vor dem Wind kann man das Fall etwas lockerer lassen und das Segel etwas bauchiger fahren. Da das Segel vor dem Vorstag angeschlagen ist halse ich immer und lasse das Segel auswehen. Die Schot läuft also vor dem Segel um das Vorliek. Das birgt das Risiko, daß die Schot unter das Boot gerät.
Grundsätzlich kannst Du das Segel zum Ausprobieren erst mal wie ein normales Vorsegel am Vorstag setzen. Ob Du Fock- oder Spi-Schot verwendest hängt von der Größe und Form des Segels ab. (Bei Vorsegeln soll die Schot ja grob auf den Punkt auf halber Vorstaglänge weisen.) So kannst Du es normal bedienen und erst mal einen Eindruck bekommen: Wie bauchig ist es geschnitten, wie stark das Tuch (Dehnung), wo das Schothorn angeordnet. Danach kannst Du einschätzen bzw. bei leichtem Wind ausprobieren, für welche Kurse das Segel geeignet ist.
Das zweite ist die Frage wie Du es nutzen willst. Am Vorstag kannst Du es ggf. sogar rollen und sicher höhere Kurse am Wind fahren. Auf raumem Kurs fehlt etwas die Möglichkeit das Fall etwas lose zu geben und das Segel spiähnlich bauchig zu fahren.

Raume Kurse kann man gut mit einem fliegenden Segel fahren. So hast Du am Vorstag immer ein normales Segel klar zum Setzen. Theoretisch gingen bei langen Schlägen vor dem Wind auch Schmetterling mit zwei Vorsegeln ohne Groß. Dafür mußt Du halsen sowie es "klassisch" von Hand setzen und bergen. Außerdem bist Du in den Kursen eingeschränkter und bei den Manövern langsamer. Daher mußt Du vorausschauender fahren und früher manövrieren.

Herzliche Grüße
Walter
Grisu
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Re: Blister/Booster wie setzen

Ungelesener Beitrag von Grisu »

Hallo Walter,
wenn ich das richtig verstanden habe, hast du auch so ein Leichtwindsegel wie Max?
Vielleicht ist es dann besser, mein Statement genauer zu erklären. Ich will nicht, dass es Naseweis klingt, "Hast du Stagreiter, benutze sie" :D
Große Segel für schwachen Wind können nicht nur aus leichtem Tuch gefertigt werden, sie müssen es auch, damit sie nicht zusammenfallen. Gleiches gilt für Stagreiter. Tuchverstärkung, Ösen, Stagreiter evtl. aus Messing, 6-8 Stk, können schon einige 100g wiegen, die das leichte Tuch herunterziehen. Nicht gut bei 1 Bft.
Leichtes Tuch bedeutet natürlich auch geringere Belastbarkeit. Der Segelmacher muss berechnen, wieviel qm, wieviel Bft max., welche Kraft wirkt auf die Anschlagpunkte. Gibt es deren nur 3, oder verteilt sich die Kraft noch auf Stagreiter.
Konkreter: Wenn das Segel für max. 3 Bft ausgelegt, und mit Stagreitern ausgerüstet ist, wird es bei 3 Bft ohne Stagreiter reissen. Bei 1 Bft wird es wiederum nicht stehen, da die nicht eingehängten Stagreiter es herunterziehen.
Ein anderer Punkt, aus eigener schlechter Erfahrung: Messingbeschläge, vor allem wenn nicht eingehängt, neigen dazu, gegen das Boot zu schlagen und eklige Löcher im Gelcoat zu hinterlassen.
Also, wenn schon ein Stagsegel nutzen, ohne die Stagen einzuhängen, dann die Stagreiter besser entfernen (Messingstagreiter sind dann allerdings zerstört, und die sind teuer). Evtl. durch Kunststoff ersetzen. Und noch genauer aufpassen, das Leichtwindsegel nicht zu überlasten.

Gruß
Gert
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